Gute Nachrichten für Menschen mit Osteoporose: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das bestehende Behandlungsprogramm umfassend überarbeitet und verbessert. Ziel ist es, mehr Betroffenen frühzeitig zu helfen und die Versorgung insgesamt zu stärken. Eine wichtige Neuerung ...

Verbesserte Versorgung durch neues DMP (Disease-Management-Programm)

Osteoporose: Verbesserte Versorgung durch neues Behandlungsprogramm

Gute Nachrichten für Menschen mit Osteoporose: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat das bestehende Behandlungsprogramm umfassend überarbeitet und verbessert. Ziel ist es, mehr Betroffenen frühzeitig zu helfen und die Versorgung insgesamt zu stärken.
Eine wichtige Neuerung betrifft Männer: Sie können künftig bereits ab 50 Jahren an dem Programm teilnehmen. Bisher war das erst ab 60 möglich.

Was ist ein Disease-Management-Programm (DMP)?

Das Disease-Management-Programm – kurz DMP – ist ein speziell organisiertes Behandlungsangebot für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Osteoporose. Es sorgt dafür, dass Ihre Behandlung nicht nur punktuell, sondern langfristig und gut abgestimmt erfolgt.

Für Sie bedeutet das:

• regelmäßige ärztliche Kontrollen, damit Veränderungen früh erkannt werden
• ein individueller Behandlungsplan, der auf Ihre persönliche Situation abgestimmt ist
• eine bessere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachärztinnen und -ärzten
• verständliche Schulungen, die Ihnen helfen, Ihre Erkrankung im Alltag besser zu bewältigen

Die Teilnahme am DMP ist freiwillig und für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Welche Vorteile haben Sie durch das DMP?

Osteoporose entwickelt sich oft schleichend – umso wichtiger ist eine kontinuierliche Betreuung. Genau hier setzt das DMP an.

Die wichtigsten Ziele sind:

• Knochenbrüche möglichst zu vermeiden
• das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen
• Schmerzen zu reduzieren
• Ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten

Ein weiterer Vorteil: Sie lernen, persönliche Risikofaktoren besser zu erkennen und aktiv etwas dagegen zu tun.

Wer kann am Programm teilnehmen?

Die Voraussetzungen wurden im Zuge der Überarbeitung angepasst und erweitert.

Sie können teilnehmen, wenn:

• bei Ihnen eine Osteoporose sicher diagnostiziert wurde
• Sie mindestens 50 Jahre alt sind

Neu ist vor allem:

• Männer sind jetzt bereits ab 50 Jahren teilnahmeberechtigt
• das individuelle Risiko für Knochenbrüche wird stärker berücksichtigt

Dieses Risiko wird anhand verschiedener Faktoren berechnet, zum Beispiel:

• Alter
• Knochendichte
• bestehende Vorerkrankungen oder Risikofaktoren
 
Dabei gilt:

• Ein Risiko von mindestens 5 % für Knochenbrüche in den nächsten drei Jahren reicht aus
• Wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, genügt bereits ein Risiko von 3 %

Damit können mehr Menschen früher in das Programm aufgenommen werden – bevor es zu schweren Verletzungen kommt.

Bewegung und Sturzvermeidung im Fokus

Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist körperliche Aktivität. Denn gezielte Bewegung kann helfen, die Knochen zu stärken und das Sturzrisiko zu senken.

Besonders empfohlen wird:

• Funktionstraining unter fachkundiger Anleitung
• Übungen zur Verbesserung von Kraft, Gleichgewicht und Koordination

Ziel ist es, dass Sie lernen, diese Übungen auch eigenständig in Ihren Alltag zu integrieren. So können Sie aktiv dazu beitragen, Ihre Gesundheit zu stabilisieren.

Verbesserte medikamentöse Behandlung

Auch im Bereich der Medikamente gibt es Neuerungen. Grundsätzlich stehen zwei Arten von Therapien zur Verfügung:

• Medikamente, die den Knochenabbau bremsen
• Medikamente, die den Knochenaufbau fördern

Die Liste der verfügbaren Therapien wurde erweitert. Neu hinzugekommen sind unter anderem:

• Abaloparatid
• Romosozumab

Zusätzlich gibt es jetzt klarere Empfehlungen dazu,

• wie lange bestimmte Medikamente eingesetzt werden sollten
• und wie die Behandlung danach sinnvoll fortgeführt wird
 
Das sorgt für mehr Orientierung und Sicherheit in der Therapie.

Wer kümmert sich um Ihre Betreuung?

Im DMP haben Sie eine feste ärztliche Ansprechperson, die Ihre Behandlung koordiniert. Das ist in der Regel Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt.
Wenn keine weiteren schweren Erkrankungen vorliegen, kann die Betreuung auch durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Orthopädie erfolgen.

Neu ist, dass auch weitere Fachrichtungen eingebunden werden können, zum Beispiel:

• Frauenheilkunde und Geburtshilfe
• Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie oder Diabetologie
• Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie

Außerdem können speziell qualifizierte Ärztinnen und Ärzte mit zusätzlicher osteologischer Ausbildung die Betreuung übernehmen. Dadurch stehen Ihnen mehr passende Ansprechpartner zur Verfügung.

Wann gelten die neuen Regelungen?

Die Änderungen werden derzeit noch rechtlich geprüft. Sobald sie offiziell bestätigt und veröffentlicht sind, treten sie im darauffolgenden Quartal in Kraft.
Anschließend haben Krankenkassen, Arztpraxen und Krankenhäuser bis zu ein Jahr Zeit, das Programm vollständig an die neuen Vorgaben anzupassen.

Quelle: g-ba.de

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