Chinesische Forschende haben herausgefunden, dass Schizophrenie und Osteoporose (Knochenschwund) mehr gemeinsam haben als bisher gedacht. In einer großen genetischen Untersuchung fanden sie 195 Stellen im Erbgut, die mit beiden Krankheiten in Verbindung stehen. Das könnte erklären, warum ...

Schizophrenie und Osteoporose

Gemeinsame genetische Ursachen von Schizophrenie und Knochenschwäche

Chinesische Forscher haben herausgefunden, dass Schizophrenie und Osteoporose (Knochenschwund) mehr gemeinsam haben als bisher gedacht. In einer großen genetischen Untersuchung fanden sie 195 Stellen im Erbgut, die mit beiden Krankheiten in Verbindung stehen. Das könnte erklären, warum Menschen mit Schizophrenie häufiger Knochenbrüche erleiden als andere.

Die Studie wurde von Dr. Feng Liu an einem Universitätsklinikum in China geleitet und in der Fachzeitschrift Genomic Psychiatry veröffentlicht. Die Wissenschaftler werteten die Erbgutdaten von über 500.000 Menschen aus. Dabei zeigte sich: Obwohl Schizophrenie eine psychische Erkrankung und Osteoporose eine Knochenkrankheit ist, überschneiden sich ihre biologischen Ursachen teilweise.

Gemeinsame genetische Ursachen von Schizophrenie und Knochenschwäche

Bildquelle: Pixabay | AartlistDesign

Warum ist das wichtig?

Schon lange ist bekannt, dass Menschen mit Schizophrenie öfter an Knochenschwäche leiden. Bisher erklärte man das vor allem mit Faktoren wie:

• wenig Bewegung,
• Vitamin-D-Mangel,
• Stoffwechselproblemen oder
• Nebenwirkungen von Medikamenten.

Diese Gründe allein reichen jedoch nicht aus. Die neue Studie zeigt nun, dass gemeinsame genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Was haben die Forscher genau gemacht?

Die Wissenschaftler nutzten mehrere moderne Analysemethoden, um das Erbgut sehr genau zu untersuchen. Sie verglichen genetische Daten von:

• rund 130.000 Menschen mit Schizophrenie und
• mehreren großen Gruppen, bei denen die Knochendichte an verschiedenen Stellen des Körpers gemessen wurde (z. B. Wirbelsäule, Hüfte, Ferse).

So konnten sie feststellen, wo im Erbgut sich die Risiken überschneiden – auch dann, wenn einzelne Gene unterschiedliche Wirkungen haben.

Besonders auffällig: die Ferse

Die stärkste genetische Verbindung zeigte sich bei der Knochendichte der Ferse. Dort fanden die Forschenden besonders viele gemeinsame genetische Merkmale. An anderen Körperstellen wie Wirbelsäule oder Hüfte war die Überschneidung deutlich geringer. Für den Unterarm fanden sie gar keine klaren Gemeinsamkeiten, was aber auch an zu wenigen verfügbaren Daten liegen könnte.

Was passiert im Körper?

Die 195 gemeinsamen Genstellen stehen mit über 1.300 Genen in Verbindung. Viele davon sind an grundlegenden Prozessen beteiligt, zum Beispiel:

• am Stoffwechsel bestimmter Nährstoffe,
• an der Bildung von Botenstoffen im Gehirn,
• und am Aufbau von Knochengewebe.

Das deutet darauf hin, dass ähnliche biologische Abläufe sowohl das Gehirn als auch die Knochen beeinflussen.

Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?

Langfristig könnten diese Erkenntnisse helfen:

• Menschen mit Schizophrenie frühzeitig als Risikopatienten für Knochenschwäche zu erkennen,
• gezielte Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen,
Knochenbrüchen besser vorzubeugen,
• und Medikamente individueller auszuwählen.

Einschränkungen und Ausblick

Die Studie untersuchte nur Menschen europäischer Herkunft und kann nicht alle genetischen Feinheiten erfassen. Trotzdem liefert sie wichtige neue Hinweise. In Zukunft wollen die Forschenden prüfen, ob auch andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen ähnliche genetische Verbindungen zur Knochengesundheit haben.

Fazit:
Psychische Erkrankungen und körperliche Krankheiten sind enger miteinander verknüpft, als man lange dachte – und ein Teil dieser Verbindung liegt direkt in unseren Genen.

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