Osteoporse-Training = Funktionstraining

Unter Funktionstraining versteht man ein am Krankheitsbild Osteoporose orientiertes Bewegungstraining, welches nach Gesichtspunkten der Anatomie und der funktionellen Bewegungslehre entwickelt und zusammengestellt wurde. Ziel dieser Art von Training ist es, das Bewegungsverhalten so zu verbessern, dass die Leistungsfähigkeit und die Belastungsverträglichkeit des Bewegungsapparats wieder gesteigert werden oder sich zumindest nicht verschlechtern. Ziel ist weiter, die Verbesserung oder zumindest der Erhalt von Funktionen, das Hinauszögern von Funktionsverlusten sowie die Schmerzlinderung. Funktionstraining ist das von den Krankenkassen geförderte Standard-Training bei Osteoporose.

Unterschied Reha-Sport und Funktionstraining?

Was ist der Unterschied zwischen Reha-Sport (Rehabilitationssport) und Funktionstraining? Die Frage wird oft gestellt, da Rehabilitationssport meist bekannter ist und öfter verordnet wird. Der Rehabilitationssport ist typischer Sport, wohingegen das Funktionstraining von der Ausrichtung her eine Form der Krankengymnastik bzw. Ergotherapie ist.

Reha-Sport
Reha-Sport arbeitet aktiver, auch mit sportlich ausgerichteten Spielen. Koordination und Flexibilität sollen verbessert werden, Ausdauer und Kraft gestärkt. Von Behinderung bedrohte Menschen oder solche während einer Rehabilitationsphase sollen in ihrer körperlichen Aktivität gezielt unterstützt werden, auch um wieder am Arbeitsleben teilzunehmen. Ziel ist die bessere Eingliederung in das Leben der Gemeinschaft. Reha-Sport findet in Gruppen statt - nicht nur weil es sich in Gruppen gemeinsam und besser trainiert, hier geht es auch um Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, um gruppendynamische Effekte und nicht zuletzt um Selbsthilfe. Kurz, die Menschen sollen wieder fit werden.

Funktionstraining
Funktionstraining ist immer 'organorientiert' - bei Osteoporose beispielsweise steht der Erhalt von Funktionen der Muskulatur, der Knochen, der Gelenke und des gesamten Skelettsystems im Vordergrund der Therapie. Funktionstraining bei Osteoporose greift dabei die meisten Probleme des Stütz- und Bewegungsapparates auf und arbeitet mit Trocken- und Wassergymnastik. Und nützt dabei die Erfahrungen der Krankengymnastik und der Ergotherapie. Organorientiert meint dann auch, dass Funktionsstörungen beseitigt oder verringert werden sollen. Oder es wird zumindest ein Hinauszögern von Funktionsverlusten einzelner Organsysteme angestrebt. Auch hier steht die Gruppe mit ihren gruppendynamischen Aspekten für das Training ein - besonders bei gemeinsamen Krankheitsbildern (Osteoporose) spielt der Erfahrungsaustausch eine große Rolle. Und dann soll auch noch der Selbsthilfe-Gedanke gestützt werden. Kurz, es soll ein weiterer Schaden vermieden werden.

Bei Reha-Sport und Funktionstraining sollen die Patienten nach dem Ende der Maßnahmen in der Lage sein, selbstständig weiter zu trainieren. Daher auch die vielen Selbsthilfe-Gruppen.

Funktionstraining - Elemente und Ziele

Vitalität ist gemeinhin der Überbegriff für ein gesundes Leben und das große Ziel. Funktionstraining strebt dabei zumindest ein gesünderes Leben an oder eines, welches sich nicht zu schnell verschlechtert - entscheidend bestimmt sich die Vitalität eines Organismus dadurch, wie anpassungsfähig er ist und wie gut er sich an seine Situation anpassen kann. Auch mit Osteoporose oder im Alter können Sie vital sein. Allerdings nur mit eigener Aktivität. 

Funktionstraining bei Osteoporose steht dafür, eine Verschlechterung der bestehenden Situation mit Sport und Bewegung zu vermeiden oder eine Verbesserung zu erzielen.

  • Muskulatur & Muskelaufbau – gerade dann, wenn der natürliche Bewegungsdrang und die körperlich Aktivität nachlässt, müssen wir darauf achten, dass wir etwas für die Muskulatur tun, um sie aktiv zu erhalten und dabei auch den Muskelaufbau nicht vernachlässigen.

  • Übungen & Gymnastik – nicht jede Sportart ist im Alter machbar. Es gibt spezielle Übungen und ausgewählte Gymnastik-Programme die auf Osteoporose zugeschnitten sind und auch im Alter noch realisierbar sind. Gymnastik zielt auf die allgemeine und gleichmäßige Ausbildung der Beweglichkeit sowie auf Kraft der Muskulatur und des Körpers. Regelmäßige Übungen bringen dabei mehr als einseitig ausgerichtetes Training, das Spitzenleistungen erzielen will.

  • Balance & Koordination – dienen dazu im Gleichgewicht zu bleiben. Und das ist entscheidend, denn: wer nicht stürzt, vermeidet auch ein Frakturrisiko. Im Alter geht es zunehmend darum, in der Bewegung (z.B. während des Gehens) das Gleichgewicht zu halten oder während des Stehens nicht zu straucheln. Im Training wird häufig das ausgewogene Zusammenspiel verschiedener Bewegungen oder Muskelgruppen geübt.

  • Kraft – mit Kraft ist nicht nur die bloße Muskelkraft gemeint (z.B. halten, schieben, drücken), auch die Schnellkraft (schnelle Reaktion, um eine Bewegung rasch ausführen zu können) und die Ausdauer (wie lange wir eine körperliche Betätigung ausüben können).

Funktionstraining - Verordnung und Kosten

Funktionstraining kann und darf von jedem Arzt verordnet werden. Diese Verordnung unterliegt nicht der Heilmittelverordnung und ist somit budgetneutral für Ihren Arzt. Funktionstraining kann vom Arzt verschrieben werden bei Osteoporose, Fibromyalgie, Kollagenosen, Polyarthrose, Psoriasis-Arthritis, rheumatoider Arthritis aber auch bei Rückenschmerzen, Morbus Bechterew, Parkinson, Rheuma, Multiple Sklerose, Polyneuropathie etc.

Der behandelnde Vertragsarzt verordnet Funktionstraining bei medizinischer Notwendigkeit. Krankenkassen bewilligen die Übungseinheiten so lange, wie sie "notwendig, geeignet und wirtschaftlich" sind. Allein schon die Formulierung sagt, dass hier zwischen den Betroffenen einerseits und den Kassen bzw. Ärzten andererseits reger Austausch herrscht. Die Richtwerte zur Verordnungsdauer liegen bei etwa ein bis zwei Jahren.

Kostenträger für das Funktionstraining sind, wie schon gesagt, die Krankenkassen, sie bewilligen das Funktionstraining über einen begrenzten Zeitraum und übernehmen im Regelfall die gesamten Kosten der Leistung. Die Verordnung ist somit für Sie als Versicherter beitragsfrei und bedarf grundsätzlich keiner Mitgliedschaft. Das klingt gut, ist aber in der Praxis manchmal schwierig umzusetzen.

Gruppen (Funktionstrainingsgruppen oder Selbsthilfegruppen, die Funktionstraining anbieten - siehe bitte » Selbsthilfe oder » Selbsthilfegruppe oder » Gruppe gründen) machen gerne mehr und sind aktiver, wie es laut Verordnung von der Kasse bezahlt wird. Es geht ja um die eigene Gesundheit und da werden aus 30 Minuten Training gerne mal 45 Minuten, es ist das Gruppeninteresse. Oder man investiert zusätzlich in Wassergymnsatik, auch das kann im Interesse der Gruppe und des Einzelnen sein.

Und diese Gruppen wollen - was ja nur zu menschlich und verständlich ist -, nur solche weiteren Mitglieder aufnehmen, die auch ebenso mitmachen und sich so eingliedern, wie sich die Gruppe versteht und gestaltet. Also, die Gruppe wünscht sich zumeist einen Mitgliedsbeitrag - das wiederum sehen die Kassen nicht so gerne. Zumeist aber findet sich eine Lösung...