Ab wann wird eine Therapie mit einem Medikament bei Osteoporose begonnen? Braucht man Vitamin D, Calcium und Bewegung auch wenn man Medikamente nimmt? Auf dieser Seite (Teil I) geht es um Darreichungsform, Nebenwirkungen und Therapiedauer. Und der folgende » Teil II gibt einen Überbick über die Wirkstoffgruppen und die eingesetzten Wirkstoffe...

osteoporose medikamente

Medikamente bei Osteoporose

Medikamente bei Osteoporose können nach unterschiedlichen Zielen eingesetzt werden, je nachdem was bei einem Patienten vorrangig zu therapieren ist - ihr Arzt ist in allen Fragen der Behandlung erster Ansprechpartner, nicht nur grundsätzlich sondern speziell was die Therapie und den Einsatz von Arzneimitteln angeht.

Wirkung

Die möglichen Therapeutika können den weiteren Knochenabbau verhindern (antiresorptive Wirkung, indem sie die Aktivität der Osteoklasten (Knochenfresszellen) und damit den Knochenabbau hemmen) oder sie unterstützen den Aufbau des Knochens (osteoanabole Wirkung, osteoanabol = knochenaufbauend). Begleitendes Ziel ist es das Risiko eines Bruches oder die Sinterung eines Wirbelkörpers zu vermeiden.

Ab wann werden Medikamente verordnet?

Ab wann eine medikamentöse Therapie gegen Osteoporose begonnen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der ärztliche Befund, etwa bereits bestehende Wirbelbrüche oder vor allem eine verminderte Knochendichte (T-Wert) sind dabei entscheidend. Eine Therapie mit Medikamenten gegen Knochenschwund wird zum Beispiel dann empfohlen, wenn aus geringfügigem Anlass (also nicht durch starke Krafteinwirkung oder bei einem Sturz) Brüche der Wirbelkörper aufgetreten sind oder gleichzeitig ein geringer T-Wert gemessen wird. Neben dem individuellen, aktuellen Risikoprofil eines Patienten spielt auch das künftige Risiko, z.B. in den nächsten Jahren eine durch Osteoporose bedingte Fraktur zu erleiden, bei der Therapieentscheidung eine Rolle. Über die geeignete medikamentöse Therapie wird Sie Ihr Arzt eingehend informieren und auch auswählen, welches Therapeutikum für Sie angebracht erscheint, da hier ein komplexes Zusammenspiel von Diagnoseergebnissen, Alter, Geschlecht, Knochenqualität und Risikofaktoren beachtet werden muss.

Basistherapie: Vitamin D, Calcium, Bewegung

Vitamin D und Calcium bilden die Basistherapie - auch wenn Sie Osteoporose-Medikamente einnehmen. Vitamin D ist einem körpereigenem Hormon eng verwandt, es steuert die Zell-Aktivitäten und arbeitet als Calcium-Regler. Calcium ist der wichtigste Baustein, aus dem unsere Knochen aufgebaut sind – einfach gesagt: ohne Calcium kein Aufbau von Knochensubstanz. Und der dritte Faktor: Bewegung. Gezielte körperliche Bewegung und Belastung von Muskulatur und Skelett sind wichtig.

Die bei Osteoporose verfügbaren Arzneimittel können unterschiedlich und in mehrfacher Hinsicht wirken: sie unterstützen den Knochenaufbau (osteoanabole Wirkung) oder sie verhindern den weiteren Knochenabbau (antiresorptive Wirkung). Ziel ist, das Frakturrisiko zu reduzieren. Nichtsdestoweniger kann sich die Wirkung der Medikamente nur dann gezielt entfalten, wenn die Basistherapie mit Ernährung und Bewegung als Grundlage einer jeden Osteoporose-Therapie gewährleistet ist. 

Wichtig: Die Einnahme von Medikamenten alleine genügt nicht!

Tablette, Spritze oder Infusion?

Während vor 20 Jahren nur Tabletten als Arzneiform üblich waren, hat die Medizin mittlerweile unterschiedliche Darreichungsformen entwickelt. Bei der Infusion wird die Arznei intravenös verabreicht, das heißt, langsam direkt in die Blutgefäße hineingespritzt. Der Vorteil: man muss das Medikament nur ein einziges Mal im Jahr geben, auch für Patientinnen, die mehrere Arzneien einnehmen müssen, stellt die intravenöse Infusion einen Vorteil dar.

Andere Medikamente werden als Pulver zum Auflösen verabreicht, wieder andere als subcutane Spritze (unter die Haut gespritzt). Tabletten gibt es in unterschiedlichsten Dosierungen, manche muss man täglich oder einmal pro Woche oder nur einmal pro Monat schlucken. Aber nicht jedes Therapeutikum gibt es in jeder Form. Die unterschiedlichen Formen verfolgen auch das Ziel eine Alternative für Patienten zu bieten, die unter Nebenwirkungen anderer Formen leiden, etwa Entzündungen der Speiseröhre oder Magen-beschwerden. Diese Beschwerden sollen umgangen werden damit die Therapie kontinuierlich fortgeführt werden kann und nicht schon nach kurzer Zeit abgebrochen werden muss. Auch hierzu berät Sie Ihr Arzt.

Nebenwirkungen und Beipackzettel

Lesen Sie den Beipackzettel und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Aspekte, die Ihnen unklar sind. Nebenwirkungen: Wenn Sie beispielsweise Reizungen der Speiseröhre und des Magens, Übelkeit, Magen-Darm- Probleme, grippeähnliche Symptome oder Gelenk- und Muskelschmerzen verspüren, sollten Sie dies Ihrem Arzt erzählen.

Seien Sie sich jedoch bewusst, dass jedes Medikament mit Wirkungen meist auch Nebenwirkungen hat. Es kommt darauf an, die Wirkungen optimal zu nutzen und unter möglichen Nebenwirkungen nicht zu leiden.

Therapiedauer

Die medikamentöse Therapie ist, wie das gesamte Angehen gegen Osteoporose, eine Langzeittherapie und muss meist über mehrere Jahre hinweg erfolgen. Sie müssen bitte Geduld mit sich und Ihren Knochen haben. Am Ball zu bleiben ist dabei nicht einfach: Die Wirkung des Medikaments auf die Knochendichte ist für Sie nicht spürbar. Setzen Sie Medikamente trotzdem nicht einfach ab, besprechen Sie Probleme, sofern es welche gibt, mit Ihrem Arzt. Die Therapie sollte so lange durchgeführt werden, wie hohe Knochenbruchrisiken bestehen. Ändert sich Ihr Gesundheitszustand, wird Ihr Arzt eine Neubewertung vornehmen, ein anderes Medikament oder eine Therapiepause empfehlen. Manche Arzneimittel sollen jedoch nur eine begrenzte Zeit eingenommen werden – fragen Sie ihren Arzt, ob Ihr Medikament dazu gehört und wie lange Sie es einnehmen können.

 

» Medikamente - Teil II